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Rezension zum Buch: „Der Integrationstest: Von Entwurf und Architektur zur Komponenten- und Systemintegration“

Von Mario Winter, Mohsen Ekssir-Monfared, Harry M. Sneed, Richard Seidl und Lars Borner

Gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist das fast 400 Seiten starke Kompendium „Der Integrationstest“ im Hanser-Verlag erschienen. Die 5 Autoren, fast allesamt mit starkem Bezug zum ISTQB, der auch begrifflich hier immer wieder die Basis liefert, gliedern den Inhalt dabei in drei grundlegende Bereiche:

Im ersten Teil „Einstieg und Grundlagen“ werden die wesentlichen Rahmenparameter des Integrationstests beschrieben. Wie ist er definiert, wodurch zeichnet er sich besonders aus und wo liegen die spezifischen Schwierigkeiten. Um möglichst wenig Vorwissen beim Leser vorauszusetzen werden alle notwendigen Disziplinen kurz erläuternd eingeführt. Hierzu gehören allgemeine Begriffe des Testens ebenso wie Grundbegriffe der (objektorientierten) Programmierung, und Modellierung sowie einige graphentheoretische Grundlagen. Diese Grundlagen werden dann verwendet, um die Fehlerwirkungen präzise zu beschreiben, die im Integrationstest aufgedeckt werden können, . Der theoretische Charakter des ersten Teils wird kompensiert durch einige konkrete Fallstudien, die die Autoren aus ihrer Praxis dem Buch beigesteuert haben.

Der zweite Teil „Strategie, Prozess und Techniken“ ist der eigentliche Kern des Buches und lässt sich für den Testkenner auch ohne das Lesen des ersten Teils problemlos verstehen. Sehr ganzheitlich und systematisch werden die unterschiedlichen Aspekte des Integrationstests erläutert: Unterschiedliche Teststufen, unterschiedliche Teststrategien, die bei der konkreten Ausgestaltung helfen, sowie der prozessorale Überbau werden jeweils separat beschrieben. Die Detaillierung führt dann hinunter bis in die unterschiedlichen Testentwurfsverfahren, welche in funktions- und wertebezogene, ablaufbezogene sowie fehlerbezogene, erfahrungsbasierte und weitere Verfahren gegliedert werden. Eine Besonderheit ist hier sicherlich die explizite Integration nicht-funktionaler Aspekte (z.B. Performanz und Sicherheit) sowie die Technik des statischen Testens.

Im dritten und deutlich dünnsten Teil „Realisierung und Praxis“ werden dann noch die Bereiche Integrationstestumgebung und Automation übersichtsartig dargestellt.

Das Buch ist ein starkes Kompendium rund um das Thema Testen, das sich nahtlos und ohne große Innovation in das ISTQB-Testverständnis einfügt. Das sehr weit gefasste Verständnis des Integrationstests, dem zufolge bereits das Zusammenspiel zwischen den Methoden und  Attributen einer Klasse als Integration aufgefasst werden, gibt Freiraum für viele unterschiedliche fest etablierte Facetten des Testens: Angefangen von unterschiedlichen Aspekten der Pfadabdeckung im Quelltext, über das formale Testen von WSDL-Beschreibungen bis zum TestSpice-konformen Testumgebungsmanagement.

Die einzelnen Teile wie auch die einzelnen Kapitel lassen sich meist autonom lesen und verstehen, haben teilweise aber auch deutlich unterschiedliche Schreibstile und Schwierigkeitsgrade. Letzteres ist vermutlich der heterogenen Autorenschaft anzulasten, die überdies zur Folge hat, dass beim sequentiellen Lesen sowohl eine gewisse Redundanz als auch die teilweise unvollständige Synchronisation zwischen den Teilen wahrgenommen wird. Es werden viele Wissensinseln abgearbeitet, die Erschließung des dadurch aufgespannten „Test-Landes“ obliegt allerdings dem Leser.

Dem eigenen Anspruch, „die Auswirkungen neuerer Technologien […] auf den Integrationstest“ (Vorwort) zu beleuchten, wird das Buch nur in Teilen gerecht. Einige Bereiche werden ausführlich behandelt (z.B. dienstorientierte Architekturen und Web-Services), andere werden eher oberflächlich und blitzlichtartig beleuchtet (z.B: agiles Vorgehen und Security-Testing), wieder andere werden vollständig ausgelassen (z.B: Architekturmanagement und Cloud). Vielleicht liegt aber auch genau darin die Stärke dieses Buches: Das Kompendium liefert für den Integrationstest, der durch die zunehmende Vielzahl und Komplexität von Schnittstellen in heutigen IT-Systemen (z.B. Internet-der Dinge) immer wichtiger wird, eine solide Sammlung etablierter Best-Practices, die für die konkrete Anwendung noch im zeitlich abhängigen Kontext instanziiert werden müssen.

Autor der Rezension: Dr. Frank Simon

Datum: 19.12.2012

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