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Rezension zum Buch: "Testen in Scrum-Projekten, Tilo Linz"

Leitfaden für Softwarequalität in der agilen Welt

Ein scheinbares Oxymoron im Titel weckt die Neugierde: Wie passt Agilität, innerhalb derer Gerüchten zufolge jeder alles macht, das Team basisdemokratisch entscheidet (und ablehnt) und Qualität irgendwie am Ende im Produkt entsteht, zum schwergewichtigen, „old-fashioned“ Testen? Und wie kann dieser Spagat ausgerechnet von Tilo Linz als langjähriger Gründer und Vorsitzender des German Testing Boards und als Gründungsmitglied des ISTQB geleistet werden? Die Lösung ist ebenso einfach wie mächtig und zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch: Die Grundprinzipien des Testens lassen sich problemlos in die agile Welt übertragen. Daher heißt vermutlich der Titel auch nicht agiles Testen sondern „Testen in Scrum-Projekten“.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung in die agile Welt, ohne hierbei zu detailliert zu werden. Auch wenn punktuell einige scheinbare Vorteile des agilen Vorgehens eingestreut werden, bleibt die häufig mittlerweile emotional geführte Diskussion Agilität ja oder nein zum Glück außen vor: Wer dieses Buch liest, sollte von Agilität bereits überzeugt sein.

Anschließend wird das klassische Testen sukzessive in die agile Welt eingeführt: Zuerst werden dafür die in der agilen Welt bereits anerkannten Techniken im klassischen Testen verortet. Es zeigt sich, dass Planung, Unit-Tests und Test-First-Ansätze allesamt bereits eine Vielzahl von Best-Practices aus dem klassischen Testgeschäft hervorgebracht haben, die nur noch darauf warten, endlich in der agilen Welt systematisch Anwendung zu finden. Im Buch werden hierfür viele Beispieltechniken vorgestellt, die allesamt wertstiftend direkt in der agilen Welt eingesetzt werden können. Die agile Welt kann sich hier aus einem großen Katalog bedienen und dieses Buch hilft dabei.
Im weiteren Verlauf wird insbesondere der Integrationstest und der Systemtest, so wie er in der agilen Welt verstanden wird, mit klassischen Test-Best-Practices angereichert. Hier erfolgt dann auch eine echte methodische Anreicherung agiler Vorgehen, in dem z.B. für das Problem der Synchronisation mehrerer agiler Teams und für die Behebung von Abhängigkeiten unterschiedlicher Komponenten für ein separates Testen Ideen diskutiert und mit praktikablen Lösungsvorschlägen untermauert werden.
Im letzten methodischen Abschnitt wird dann auf die Möglichkeiten eingegangen, das klassische Qualitätsmanagement in agilen Kontexten anzuwenden (z.B. für Compliance-Anforderungen). Auch hier zeigt sich wie im gesamten Buch, dass sich Agilität und klassisches Testen keineswegs widersprechen, sondern beide komplementär ergänzen. Die wenigen konkurrierenden Ziele werden in diesem Buch zugunsten der Agilität gelöst, d.h. das Testen wird in die agile Welt migriert.

Zum Abschluß des Buches wird in fünf namhaften Fallstudien aufgezeigt, wie das Testen in agilen Projekten erfolgreich etabliert werden kann und welche Hürden es dabei zu meistern gilt.

Das kurzweilig zu lesende Buch ist eine pragmatische Hilfe für denjenigen, der in agilen Projekten tätig ist und das Thema Testen voranbringen will. Ein durchgängig beschriebenes, fiktives Fallbeispiel zeigt dabei in jedem Kapitel die praktische Umsetzung. Viele Testinhalte stammen aus dem ISTQB-Kontext, was allerdings jeweils sachlich begründet ist und an keiner Stelle werbend wirkt.
Dem Untertitel des Buches „Leitfaden für Softwarequalität in der agilen Welt“ wird das Buch nur in Teilen gerecht, da Agilität als ex ante gegeben und als invariant angenommen wird. Die Vielzahl aktueller Diskussionen wie etwa agile Architekturen, agile Festpreisprojekte oder auch Agilität mit Offshore-Ressourcen bleiben außen vor. Auch Fragestellungen wie Agilität in großen, streng hierarchischen Unternehmen werden nicht besprochen, obwohl es hierzu bereits viele testrelevante Modelle gibt. So bleibt die agile Testmatrix ebenso ungenannt wie einige weitere Ergebnisse der Literatur um „Agiles Testen“.

Aber dies passt zum sehr guten Titel des Buches, der eben nicht „agiles Testen“ sondern (klassisches) Testen in (agilen) Projekten meint: Und alleine dieser erste Schritt ist in vielen Unternehmen noch nicht gegangen.

Autor der Rezension: Dr. Frank Simon

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Rezension zum Buch:

Testen in Scrum-Projekten - Leitfaden für Softwarequalität in der agilen Welt, von Tilo Linz

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