Thema: Cloud Computing

Für die einen ist es alter Wein in neuen Schläuchen, für die anderen ein echter Paradigmenwechsel: Cloud Computing soll den „persönlichen Computer“ mit eigenen Programmen ablösen. Lesen Sie, was unsere Experten dazu meinen....

Prof. Dr. Wilhelm Schäfer ist Vizepräsident für Forschung an der Universität Paderborn. Am dortigen Institut für Informatik leitet er das Fachgebiet Softwaretechnik.

Alle reden über das Thema Cloud. Aber haben wir hier wirklich eine nachhaltige Entwicklung vor uns? Wilhelm Schäfer meint in Ausgabe 6-2011 von OBJEKTspektrum: "Die Cloud ist mit Sicherheit ein wichtiger Trend in Richtung Professionalisierung des Betriebs. In diesem Zusammenhang spielen Safety und Security natürlich eine ganz herausragende Rolle. Die Cloud wird für viele relevant. Die technologische Basis ist vorhanden: Rechnerleistung und Breitbandverbindung lassen die Rechenleistung nahezu beliebig auf der Welt verteilt zu. Wir haben an der Universität Paderborn gerade einen Sonderforschungsbereich "On the Fly Computing" gestartet, der in den nächsten zwölf Jahren Techniken und Verfahren zur automatischen On-the-Fly-Konfiguration und zur Ausführung von individuellen IT-Dienstleistungen aus Services untersucht, die auf weltweit verfügbaren Märkten gehandelt werden. Hier ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht."

 

Buchtipp: The Big Switch

„The Big Switch“, den großen Wandel, verheißt Erfolgsautor Nicholas Carr in seinem gleichnamigen Buch über die „Vernetzung der Welt von Edison bis Google“. Unternehmen bezahlen in der Cloud nur noch für IT-Ressourcen und Anwendungen, die auch wirklich genutzt werden. Laut Carr ist Cloud-Computing nichts weniger als ein Paradigmenwechsel. Und hier befindet er sich in bester Gesellschaft: Auch Steve Ballmer, Chief Executive Officer von Microsoft, proklamierte auf dem „Software Strategy Summit 2010“ in Köln diesen Paradigmenwechsel. Microsofts Chef-Softwarearchitekt Ray Ozzie, inzwischen ausgeschieden, hatte den Trend bereits 2005 erkannt: In einer in der IT-Szene sehr beachteten und zunächst intern verbreiteten Analyse-E-Mail prophezeite er einen dramatischen Wandel in der Computerbranche durch die immer bedeutendere Rolle der Internet-Dienste. Einen solchen Paradigmenwechsel hatten wir in der Geschichte der Industrialisierung schon einmal – deshalb greift Nicholas Carr auf Edison zurück. Ein Beispiel: Mitte des 19. Jahrhunderts gründete in Engelskirchen an der Agger der Wuppertaler Unternehmer Friedrich Engels mit seinem englischen Geschäftspartner Peter Ermen die Baumwollspinnerei Ermen & Engels. Im heutigen „Rheinischen Industriemuseum“ lässt sich nachvollziehen, wie die Wasserkraft der Agger Turbinen antrieb, die den Strom für die Fabrik lieferten. Jede Fabrik mit eigenem Kraftwerk, das ist – um im Bild zu bleiben – in der IT der „persönliche Computer“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam dann an der Agger „der Strom aus der Steckdose“, von einem großen Energieversorgungsunternehmen. Das ist in der IT Cloud-Computing: Jeder „zieht sich“ die Lösung, die er gerade braucht, aus der großen Wolke der zahlreichen Server und Computer im Netz.

„Hochinteressant“, urteilt Thomas P. Hughes, Autor von „Human-Built World“ und „American Genesis“, über Carrs Buch. Er „belegt mit einer umfassenden historischen Analogie, dass Computer-Versorgungsunternehmen die firmeneigenen IT-Abteilungen ersetzen werden, so wie die Stromversorger die firmeneigenen Generatoren verdrängt haben“.

Carr sieht eine Analogie zu jener Revolution, die sich vor knapp hundert Jahren bei der Elektrizität vollzog, als Unternehmen – wie Ermen & Engels an der Agger – aufhörten, mit Dampfmaschinen und Dynamos ihre eigene Energie zu erzeugen und sich stattdessen dem neu errichteten Stromnetz anschlossen. 

„In den kommenden Jahren werden immer mehr Aufgaben der Informationsverarbeitung, auf die wir zu Hause und bei der Arbeit angewiesen sind, von großen Datenzentren gehandhabt werden, die sich irgendwo im Internet befinden.“

In: The Big Switch – Rewiring the World, from Edison to Google, by Nicholas Carr, published by W.W. Norton & Company, Inc., New York. In Deutsch erschienen beim mitp-Verlag, Frechen/Heidelberg

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