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Artificial Intelligence – eine komplexe Technologie für Spezialisten

Der Kampf um die besten Köpfe

von Dr. Monika Becker


AI ist nicht mehr nur für Start-up-Unternehmen und technikaffine Branchen von Interesse und Nutzen. Es ist vielleicht eine Frage der Zeit, aber die Revolution vieler Branchen durch künstliche Intelligenz steht bevor.

Der Einsatz von AI-Technologie bringt zahlreiche betriebswirtschaftliche Nutzen: So können beispielsweise sich ständig wiederholende, aber gefährliche Tätigkeiten von Computern oder Robotern übernommen werden. In einigen Kraftwerken sind Jobs ohne Roboter nicht denkbar – die immens hohe Strahlungsdichte wäre für Menschen schlichtweg nicht machbar.

Der qualifizierte Mitarbeiter kann sich indes den wichtigen anderen strategischen Aufgaben stellen. In der Medizin beispielsweise wird es durch künstliche Intelligenz künftig möglich sein, treffsichere Diagnosen und Prognosen abzugeben sowie individualisierte Behandlungspläne aufzustellen.

Getrieben durch kommerzielle Einsatzmöglichkeiten

Die Wurzeln von AI reichen zurück bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und waren zunächst rein akademischer Natur. Erst seit knapp zehn Jahren ist AI nicht mehr vorrangig akademisch getrieben, sondern von kommerziellen Einsatzmöglichkeiten. Die technischen Möglichkeiten sind inzwischen so groß und robust, dass von Marktreife gesprochen werden kann. Aus den vermeintlichen Spielereien von Google, IBM und Co. sind Anwendungen entstanden, die für Unternehmen unterschiedlichster Branchen zur strategischen Kernkompetenz gehören: von Logistik und Mobilität, über Marketing und Medizin bis hin zur industriellen Fertigung.

Es verbleibt natürlich die Frage: Was kann die AI, was ein Mensch nicht kann? Vereinfacht gesagt lautet die Antwort: AI-Systeme können mehr Informationen verarbeiten als Menschen, sie sind dabei systematischer, analysieren tiefer, erkennen Ausnahmen besser und kommen dadurch zu passenderen Schlussfolgerungen. Diese künstlichen Skills helfen in so unterschiedlichen Szenarien wie dem autonomen Straßenverkehr, der Kundenberatung und der Analyse von Rechtsfällen.

Der bereits immens hohe Anteil an AI in neuen Softwareapplikationen wird weiter zunehmen. Denn das Interesse an dieser Technologie wächst weiter – und es wird bald keine renommierten Firmen mehr geben, die relevante System-Updates ohne AI generieren.

Die Kehrseite der Medaille

Dieser Fortschritt – bei dem fast alle innovativen Unternehmen die besten Kräfte suchen – hat allerdings auch seine Kehrseite, denn die hierfür gesuchten Fach- und Führungskräfte sind rar gesät und nicht einfach zu finden. Große Unternehmen wie beispielsweise Google, Apple, Microsoft, Ebay und Cisco haben sich kleine – auf AI spezialisierte Unternehmen – einverleibt, um damit zusätzliches AI-Know-how zu gewinnen.

Es ist also nicht der klassische Fach- und Führungskräftemangel, der hier seine Auswirkungen zeigt. AI ist ja ein attraktives Themengebiet, in das viele Fach- und Führungskräfte gerade jetzt einsteigen wollen. Vielmehr liegt es an der Komplexität der AI-Themen und der damit einhergehenden Schwierigkeit bei der Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter.

Es gibt kein Schema F, nachdem passende Mitarbeiter rekrutiert werden können. Eine erfolgreiche Tätigkeit setzt technologisches State-of-the-Art-Wissen und die betriebswirtschaftliche Kompetenz voraus, unterschiedlichste Prozesse zu analysieren und zu optimieren. Vor allem aber braucht es die sprichwörtliche Fähigkeit, Themen neu zu denken.

„War for AI Talents“

Ein Beispiel macht das deutlich. Als Unternehmen, das bereits seit 1995 im Bereich der AI forscht und entwickelt, kämpft aucht die Firma Arago GmbH mit Headquarter in Frankfurt am Main um die hellsten Köpfe, um diese komplexe Technologie voranzutreiben.

Insbesondere das umfangreiche technische Hintergrundwissen stellt die Rekrutierung häufig vor große Herausforderungen, denn die Unternehmenskultur im Bereich der AI unterscheidet sich häufig von den Arbeitsumfeldern, in denen die meisten Kandidaten ihre beruflichen Erfahrungen gesammelt haben. Das Arbeiten ist sachorientiert und politikfrei, sodass die fachlichen Themen im Fokus stehen und keine anderen Sachverhalte ablenken oder belasten.

Der typische Kandidat, der in ein AI-Umfeld wechselt, hat seinen beruflichen Background jedoch in klassischen IT-Häusern oder IT-Beratungen; er hat daher in den meisten Fällen eine andere Arbeitsweise- und Arbeitskultur kennengelernt.

Das Kandidatenprofil für AI – alles andere als Standard

Es gibt kein standardisiertes Profil für Kandidaten im AI-Bereich, aber es gibt drei Hauptklassifizierungen, die einen AI-Spezialisten beschreiben und ausmachen. Typischerweise hat er ein bisschen vom klassischen Nerd, aber auch eine ausgeprägte Affinität zu neuen Themen und Trends. Außerdem ist er Technologie-Evangelist und bringt einen fachlichen Hintergrund aus der IT mit, kann aber auch aus dem Ingenieurwesen oder der Physik kommen. Nicht zu vernachlässigen sind darüber hinaus die Prozessberatungskompetenzen, um komplexe BWL-Prozesse zu analysieren und auch maßgeblich voranzutreiben.

Die Rekrutierung von AI-Spezialisten beschreibt Aragos Personalchef Markus Leven so: „Wir entwickeln eine spannende Technologie weiter und bieten unseren Kunden eine eigene AI-Plattform – und liefern nicht nur Produkte, die durch AI-Technologie bereitgestellt oder unterstützt werden. Natürlich sind wir auf der Suche nach neuen Kollegen, die technisch und fachlich sehr qualifiziert sind. Dabei sollten diese auf jeden Fall leistungsorientiert sein und ein starkes Interesse mitbringen, sich ständig weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren und hergebrachte Methoden zu hinterfragen. Unsere Firmenkultur orientiert sich sehr an Robert Suttons ‚No Asshole-Regel‘; die Mitarbeiter müssen in unser Team passen“.

Was alle Fach- und Führungskräfte um das Thema AI gemein haben: Sie sind kommunikativ, können präsentieren, vor Publikum reden und ihre Auftritte managen. Das setzt ein hohes Maß an Selbstorganisation voraus. Aber der typische AI-Spezialist benötigt von der Unternehmensseite jemanden, der ihn mitnimmt, um Themen aufzuzeigen und zielführend voranzutreiben.

Fazit: Personalchefs mit AI-Strategien gefragt

AI wird bald nicht mehr wegzudenken sein – und alle Unternehmen, Branchen und Bereiche betreffen. Neben einer ausgereiften Strategie, um diese Technologie erfolgreich einzusetzen und anzuwenden oder gar zu trainieren, sind kompetente Mitarbeiter erforderlich. Diese sollten jedoch nicht durch kurzfristigen Aktionismus rekrutiert werden oder gar in einem Rasterverfahren nach Schema F gesucht werden.

Vielmehr gilt es, Kandidaten nach ihren Neigungen und Interesse zu beleuchten und die drei Hauptcluster zu hinterfragen: Nerd, Evangelist und Prozessberater. Natürlich gehört zu einer erfolgreichen Rekrutierung auch, dass kreative und technikaffine Köpfe auch die Soft Skills und die Persönlichkeit mitbringen, um sich in die jeweilig vorherrschende Firmenkultur einzufinden.


Dr. Monika Becker

ist Leiterin der Business-Unit „Software“ der Hager Unternehmensberatung. Die Personalberaterin ist seit 2001 für das Unternehmen tätig und besetzt gemeinsam mit ihrem Team anspruchsvolle Fach- und Führungspositionen für Mandanten, deren Geschäft aus dem Lösungsgeschäft rund um Standardsoftware oder aus Individualsoftwareentwicklungen besteht.

Bildnachweise:

Munich Startup, Hager Unternehmensberatung