KI als Herausforderung für Führungskräfte
Manager müssen Menschen und Maschinen führen
von Stephan Wild
Führungskräfte werden für das Management von KI-beeinflussten Arbeitsbereichen ein Gleichgewicht intellektueller und emotionaler Intelligenz mitbringen müssen. Das ist eine der Kernthesen des internen Thinktanks von Avanade.
Avanade hat als Anbieter digitaler Innovationen im Microsoft-Ökosystem in Zusammenarbeit mit Marktforschungsunternehmen bereits eine ganze Reihe von Studien erstellen lassen, unter anderem rund um den Themenkomplex Künstliche Intelligenz bzw. intelligente Automatisierung. Dabei kristallisiert sich in der Summe ein differenziertes Bild zur Gestaltung der Digitalisierung heraus, das von Zweifeln der Dauerhaftigkeit bis hin zu großer Zuversicht reicht.
Die Erhebungen rücken vor allem Unternehmenslenker sowie Angestellte in den Mittelpunkt des Interesses. Während sich die Funktionen von „Artificial Intelligence“ sowie den zugehörigen Aspekten „Machine Learning“ und „Robotic Process Automation“ immer weiter entwickeln, fragen sich viele Arbeitnehmer, ob sie vielleicht in Zukunft für einen „Roboter-Chef“ arbeiten müssen – dabei sieht der Trend momentan eher anders aus: Führungskompetenzen werden sich signifikant ändern müssen, wenn Manager im digitalisierten Unternehmen erfolgreich sein wollen.
IQ und EQ austarieren
Eine der Avanade-Studien zeigt, dass rund 85 Prozent der Manager und Managerinnen der Meinung sind, dass die Unternehmensführung sowohl Menschen als auch Maschinen berücksichtigen muss, wenn KI erfolgreich im Unternehmen etabliert werden soll. Und über 50 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass das Verständnis für solche neue Technologien von größerer Bedeutung ist als etwa Spezialwissen rund um die Bereiche Strategie, Vertrieb und Marketing. Dabei wird das Management auch für KI-beeinflusste Arbeitsbereiche ein Gleichgewicht intellektueller und emotionaler Intelligenz – also IQ und EQ – herstellen müssen.
Den IQ betreffend ist eine Vision für die Ausrichtung des Unternehmens auf KI erforderlich: „Führungskräfte müssen sich im Klaren darüber sein, dass sich KI einsetzen lässt, um ihre Teams und deren einzelne Mitglieder zu entlasten, die Qualität zu verbessern und mehr Zeit für komplexere Aufgabenfelder zu schaffen“, erklärt Robert Gögele, der die Geschäfte von Avanade im deutschsprachigen Raum verantwortet. „Diese Herangehensweise ist entscheidend, um neue Produktivitätslevel zu erreichen. Noch bedeutender sind dabei aber der EQ und entsprechende Fähigkeiten im Umgang mit Menschen. Sie sind maßgeblich, um die Belegschaft vom Nutzen der neuen Technologie zu überzeugen.“ Nur so ließen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich in entsprechende Projekte einbinden und ihnen die Furcht vor Veränderungen nehmen. In den meisten Unternehmen würden dazu bereits Change-Management-Programme aufgesetzt.
Softe Management-Skills gefragt
Maschinenbasierte Systeme sind in der Lage, eine erheblich größere Anzahl an Erkenntnissen schneller als der Mensch zu erzeugen und zu verarbeiten. Aus diesem Grund sind entsprechende softe Management-Skills zunehmend wichtiger; außerdem gewinnen Aspekte wie Vertrauen oder digitale Ethik an Bedeutung.
Es wird nach Gögeles Einschätzung künftig eine neue Gruppe von Mitarbeitern geben, die sich im Schwerpunkt um Einsatzszenarien für die neue Technik kümmern und gleichzeitig deren Einsatz entlang rechtlicher und ethischer Überlegungen einschränken – mithin neue Jobs, die es heute nur selten schon gibt. Beim Blick auf die Geschichte ist eine solche Entwicklung im Grundsatz nicht neu; ähnliche Mechanismen gab es zum Beispiel bereits mit der Einführung der PC-Arbeitsplätze zu Anbeginn des IT-Zeitalters.
Komplexe Interaktion von Mensch und Maschine
Zwei große Unterschiede lassen sich jedoch festhalten: einmal die Geschwindigkeit des Fortschritts sowie dass hier zwei Parameter – Mensch und Maschine – hochgradig dynamisch und komplex miteinander interagieren.
„Führungskräfte müssen offen dafür sein, sowohl ihre eigenen Fähigkeiten als auch die ihrer Mitarbeiter flexibel anzupassen. Es ist dabei enorm wichtig, die Bedürfnisse der Menschen zu berücksichtigen“, fasst Gögele zusammen. „Denn eines ist klar: Der aus unserer Sicht und ebenfalls über eine Studie belegte einzig Erfolg versprechende Ansatz ist Mensch und Maschine. Ein Oder wird nicht funktionieren. Darüber hinaus ist eine gewisse Persistenz gefragt – eine Mehrheit der befragten Entscheider begreift gemäß unserer jüngsten Studie KI als Zeitgeist-Phänomen. Das dürfte nach momentanem Stand eine gefährliche Fehleinschätzung sein.“
Gögele weiß, wovon er spricht, denn Avanade ist ein weltweit aktiver Anbieter digitaler Services, Business- und Cloud-Lösungen sowie von designorientierten Anwendungen. Weltweit arbeiten rund 30.000 digital vernetzte Menschen in 24 Ländern für das Unternehmen, das im Jahr 2000 als Joint-Venture von Accenture und Microsoft gegründet wurde. Heute gehört das Unternehmen mehrheitlich Accenture.